Der Film Stimmung Bilder Festivals Regie Booking Presse
Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Ein Dorffest bei Nacht unter Lichterketten
Caazapá, Paraguay

Im Umkreis desParadieses

Die Suche nach dem Paradies hat viele Gesichter.

Niemand kann vor sich selbst auswandern.

Ein Film von Yulia Lokshina · Ab 3. Dezember 2026 im Kino
Plakat Im Umkreis des Paradieses: Ein bunter, gezeichneter Vogel über einem Baum und einer Siedlung

Zwei junge Paraguayer suchen nach Glück, Gold und einem magischen Vogel. Zwölf Kilometer rote Erdstraße entfernt hoffen europäische Aussteiger hinter einem bewachten Zaun auf Freiheit, Heilung und Rettung vor dem Weltuntergang.

Die Geschichte

Der Film

Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Eine junge Frau und ein junger Mann bei einem nächtlichen Dorffest
Caazapá, Paraguay

In einer der ärmsten Regionen Paraguays liegt Caazapá, die „Stadt der Zauber und Legenden“. Zwei junge paraguayische Studierende suchen hier nach Glück, Gold und einem magischen Vogel.

Nur wenige Kilometer entfernt, hinter dem bewachten Zaun einer Siedlung, hoffen europäische Aussteiger auf Freiheit, Heilung und Rettung vor dem Weltuntergang, für sich selbst und ihre Ersparnisse.

Behutsam erkundet der Film das Nebeneinander der Neuankömmlinge und der Menschen, die hier seit Langem leben. Er führt durch Baustellen und Schulen, Behandlungszimmer und Schießplätze, richtet den Blick in den Himmel und ins Internet. Jede dieser Welten erzählt sich ihr eigenes Paradies.

Kino zum Hineinsetzen

Der Ort

Hitze, rote Erde, Zikaden, die Dauer der Tage. Die 120 Minuten sind keine Bürde, sondern ein Erlebnis: Der Film nimmt sich die Zeit, die der Ort hat.

Die aufwändige Tongestaltung von Alejandro Weyler und die Mischung von Aron Frankenberger tragen diesen Raum ins Kino.

Der Film erzählt Aufstieg und Fall einer Siedlung, gesehen mit den Augen zweier junger Paraguayer. Er ist kein Überwachungsmitschnitt, und er will seine Protagonistinnen und Protagonisten nicht umerziehen. Er schaut hin, lange genug, dass sich das Bild vom Paradies von selbst verschiebt.

Ein Gefühl, das sich über zwei Stunden aufbaut

Stimmung

  • schwülHitze, rote Erde, Zikaden, tropische Landschaft
  • märchenhaftmagische Vögel, Legenden, verborgene Geschichten
  • beklemmendZäune, Waffen, Weltuntergangsängste, Abschottung
  • absurdder Traum vom perfekten Paradies wirkt zunehmend grotesk
  • melancholischhinter dem Wunsch nach einem besseren Leben liegt eine tiefe Leere
Pressestimme

Cineuropa

„Nachdenklich, verstörend und oft von schwarzer Ironie geprägt, bietet IM UMKREIS DES PARADIESES eine eindringliche Auseinandersetzung mit dem Wiedererstarken von Verschwörungsdenken und ideologisch motivierter Weltflucht. Anstatt seine Protagonisten lächerlich zu machen, legt Lokshina die Mechanismen offen, durch die sich Glaubenssysteme festsetzen und entfalten.“
Cineuropa
Filmbilder

Stills

Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Eine junge Frau am Flussufer vor einer Brücke
Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Blick aus einem Auto auf ein Backsteinhaus im Rohbau
Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Ein Mann fährt in einem roten Geländebuggy über eine Erdstraße
Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Zwei Mädchen gehen auf einer Wiese auf einen See zu
Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Zwei Männer an einem grünen Zaun, einer sitzt auf einem Motorrad
Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Zwei Personen in einem erleuchteten Fenster eines dunklen Hauses
Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Zwei Silhouetten vor dem Abendhimmel
Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Ein Mann mit Gehörschutz zielt von einem Pick up auf einer Erdstraße
Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Ein Dorffest bei Nacht unter Lichterketten
Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Ein Haus hinter hohem Gras
Uraufführung Berlinale 2026

Festivals

  • Berlinale 2026PanoramaNominiert für den Berlinale Dokumentarfilmpreis
  • Thessaloniki 2026Special Jury Prize im internationalen WettbewerbSpecial Mention beim Human Rights in Motion Award des Europarats
  • DOK.fest München 2026Nominiert für den VFF Dokumentarfilm Produktionspreis
  • DokKa Karlsruhe 2026Eröffnungsfilm
  • Krakau 2026Internationaler Wettbewerb
  • Bolzano Film Festival 2026RealeNonReale
Für Ihre Programmplanung

Filmdetails

Länge120 Minuten
KategorieDokumentarfilm
ProduktionslandDeutschland 2026
BildFarbe
Kinostart3. Dezember 2026
VerleihAcross Nations Filmverleih
WeltvertriebFilmotor, Prag
Regie und Team

Yulia Lokshina

Yulia Lokshina studierte Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Für ihren Abschlussfilm REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT erhielt sie 2020 den Max Ophüls Preis für den besten Dokumentarfilm.

Ihr Dokumentarfilm ACTIVE VOCABULARY gewann 2025 auf dem DOK Leipzig die Goldene Taube für den besten deutschen Langfilm. IM UMKREIS DES PARADIESES ist ihr dritter Langfilm.

Buch und RegieYulia Lokshina
KameraZeno Legner
MontageUrte Alfs
Ton und SounddesignAlejandro Weyler
MischungAron Frankenberger
FarbkorrekturNicholas Coleman
AnimationFranziska Unger
PlakatAnna Grath
ProduktionIsabelle Bertolone, David Armati Lechner, Trini Götze
ProduktionsfirmaTrimafilm, in Koproduktion mit ZDF, Das kleine Fernsehspiel
Für Kinos und Disponenten

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Ein Film, in den man sich hineinsetzt: 120 Minuten, die ein Publikum gemeinsam erlebt und danach besprechen will. Wie das in Ihrem Haus aussehen kann, klären wir gern mit Ihnen.

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3. Dezember 2026
Im Kino
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Szene aus Im Umkreis des Paradieses: Zwei Mädchen gehen auf einer Wiese auf einen See zu
Pressebereich · Berlinale Panorama 2026

Im Umkreis desParadieses

Ein Film von Yulia LokshinaDokumentarfilm · 120 Minuten · Deutschland 2026Kinostart 3. Dezember 2026
Auf einen Blick

Eckdaten

Land und JahrDeutschland 2026
KategorieDokumentarfilm
Länge120 Minuten
BildFarbe
Kinostart3. Dezember 2026
VerleihAcross Nations, Stuttgart
WeltvertriebFilmotor, Prag
PremiereBerlinale 2026, Panorama
Kurzinhalt

Der Film

In einer der ärmsten Regionen Paraguays liegt Caazapá, die „Stadt der Zauber und Legenden“. Zwei junge paraguayische Studierende suchen hier nach Glück, Gold und einem magischen Vogel. Nur wenige Kilometer entfernt, hinter dem bewachten Zaun einer Siedlung, hoffen europäische Aussteiger auf Freiheit, Heilung und Rettung vor dem Weltuntergang, für sich selbst und ihre Ersparnisse.

Niemand kann vor sich selbst auswandern.

Zwölf Kilometer rote Erdstraße trennen die beiden Welten. In der Regenzeit verwandelt sie sich in Schlamm. Ringsum: feuchte Hitze und das unablässige Zirpen der Zikaden. Behutsam erkundet der Film das Nebeneinander der Neuankömmlinge und der Menschen, die hier seit Langem leben. Er führt durch Baustellen und Schulen, Behandlungszimmer und Schießplätze, richtet den Blick in den Himmel und ins Internet.

Während die Siedlung von internen Konflikten und Verlusten erschüttert wird, folgen die Einheimischen ihren eigenen Überlieferungen, deren Wurzeln bis in die Missionsgeschichte und Kolonialgeschichte des Landes reichen. Jede dieser Welten erzählt sich ihr eigenes Paradies.

Kino zum Hineinsetzen. Hitze, rote Erde, Zikaden, die Dauer der Tage. Die 120 Minuten sind keine Bürde, sondern ein Erlebnis: Der Film nimmt sich die Zeit, die der Ort hat. Die aufwändige Tongestaltung von Alejandro Weyler und die Mischung von Aron Frankenberger tragen diesen Raum ins Kino.

Rise and Fall einer Siedlung. Der Film erzählt Aufstieg und Fall einer Siedlung, gesehen mit den Augen zweier junger Paraguayer. Er ist kein Überwachungsmitschnitt, und er will seine Protagonistinnen und Protagonisten nicht umerziehen. Er schaut hin, lange genug, dass sich das Bild vom Paradies von selbst verschiebt.

Pressestimmen

Stimmen

„Nachdenklich, verstörend und oft von schwarzer Ironie geprägt, bietet IM UMKREIS DES PARADIESES eine eindringliche Auseinandersetzung mit dem Wiedererstarken von Verschwörungsdenken und ideologisch motivierter Weltflucht. Anstatt seine Protagonisten lächerlich zu machen, legt Lokshina die Mechanismen offen, durch die sich Glaubenssysteme festsetzen und entfalten.“
Cineuropa
Hintergrund

Hintergrund

Paraguay: die europäische Suche nach dem Paradies

Paraguay wird für immer mehr Europäer zu einem attraktiven Auswanderungsziel. Niedrige Lebenshaltungskosten, günstige Steuern, erschwingliche Grundstücke und vergleichsweise unkomplizierte Einwanderungsverfahren locken besonders Menschen aus Deutschland an. Manche suchen wirtschaftliche Unabhängigkeit, andere Ruhe und Natur. Wieder andere wollen den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen Europas entkommen.

Die Zahlen bestätigen den Trend: Nach Angaben der paraguayischen Einwanderungsbehörde wurden 2025 insgesamt 40.600 Aufenthaltsgenehmigungen erteilt, rund 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Darunter waren 1.652 Genehmigungen für Deutsche, ein Anstieg um 54 Prozent gegenüber 2024.

Paraguay bietet wirtschaftliche Anreize. Die reguläre Einkommensteuer beträgt maximal zehn Prozent, ebenso die Körperschaftsteuer. Das Land ist größer als Deutschland, hat aber weniger als ein Zehntel seiner Bevölkerung. Viel Platz, günstige Energie und die Möglichkeit, mit europäischen Ersparnissen einen vergleichsweise hohen Lebensstandard zu erreichen, machen es für Auswanderer interessant.

Für einige ist Paraguay jedoch mehr als ein günstiger Wohnort. Sie sehen darin einen Rückzugsort vor staatlicher Kontrolle, gesellschaftlichen Veränderungen und befürchteten Krisen. Besonders seit der Coronapandemie haben solche Vorstellungen in bestimmten Auswanderermilieus an Bedeutung gewonnen.

Dabei hat die europäische Einwanderung eine lange Geschichte. Bereits im 19. Jahrhundert kamen europäische Siedler nach Paraguay. Später gründeten deutschsprachige Mennoniten eigene Gemeinschaften, die bis heute Teile des Landes prägen.

Doch das Versprechen eines günstigen und unabhängigen Lebens steht im Kontrast zur Wirklichkeit vieler Einheimischer. Trotz wirtschaftlichen Wachstums leben weiterhin zahlreiche Paraguayer in Armut. Was für Menschen mit europäischen Ersparnissen erschwinglich erscheint, bleibt für viele Einheimische unerreichbar.

Während europäische Auswanderer in Paraguay Freiheit, Sicherheit und einen Neuanfang suchen, kämpfen viele Paraguayer um wirtschaftliche Perspektiven in ihrer eigenen Heimat.

Quellen: Paraguayische Einwanderungsbehörde, Statistik 2025 · Weltbank, Paraguay · Paraguayisches Statistikamt (INE)

Die Siedlung El Paraíso Verde

Die Siedlung „El Paraíso Verde“ steht in einer langen Tradition europäischer Kolonisationsprojekte und Siedlungsprojekte in Südamerika. Zugleich verbindet sie diese Geschichte mit Vorstellungen und Praktiken, die aus verschwörungsideologischen Milieus hervorgegangen sind. Daraus entsteht eine eigentümliche, hybride Form des Zusammenlebens.

Das Projekt lässt sich auch als neokolonialer Versuch verstehen: Privates Kapital soll gesellschaftlichen und politischen Einfluss in einem Land des Globalen Südens ermöglichen. Die aus dem Umfeld der Bewegung Querdenken mitgebrachten Weltbilder sollen hier nicht nur gelebt, sondern dauerhaft verankert werden. Die Siedlung begreift sich als Gegenentwurf zu westlichen Gesellschaften, die ihre Bewohner für korrupt halten, zu vermeintlichen Bedrohungen durch Migration und zu den Erkenntnissen etablierter Wissenschaft. Was zunächst in Telegram Gruppen Gestalt annahm, soll in Paraguay zur gelebten Wirklichkeit werden.

Eine Studie des Soziologen Oliver Nachtwey aus dem Jahr 2020 beschreibt viele Anhängerinnen und Anhänger der Bewegung Querdenken als Angehörige der gebildeten Mittelschicht, die sich von der repräsentativen Demokratie entfremdet haben. Sie verweist auf Radikalisierungspotenziale und auf die Verbreitung esoterischer Überzeugungen, von Vorstellungen über Selbstheilung und von Verschwörungserzählungen. Diese Befunde lassen sich nicht ohne Weiteres auf jede einzelne Person in der Siedlung übertragen.

Mythen geben dem Unbegreiflichen eine Form. Sie erzählen von Kräften, die jenseits des unmittelbar Sichtbaren wirken, stiften Sinn und helfen, Erfahrungen einzuordnen. Während traditionelle Mythen häufig das Verhältnis des Menschen zur Natur verhandeln, richten sich Verschwörungserzählungen vor allem auf die moderne Gesellschaft, die ihren Anhängerinnen und Anhängern fremd oder bedrohlich erscheint.

„Das grüne Paradies“ ist ein vielschichtiger, konservativer und utopischer Gegenraum, der sich in Anlehnung an Foucault als Heterotopie beschreiben ließe: ein Ort, der „dazu bestimmt ist, allen anderen entgegenzutreten und sie gewissermaßen auszulöschen, zu ersetzen, zu neutralisieren oder zu reinigen“. Da solche Gegenräume im Inneren niemals homogen sind, sondern stets fragil und widersprüchlich bleiben, nimmt sich der Film vor, diesen Ort genauer zu betrachten.

Erzählt aus der Perspektive zweier junger Paraguayer beobachtet IM UMKREIS DES PARADIESES das ungleiche Zusammenleben von Siedlern und Einheimischen: voller Widersprüche, Träume und mit einem trügerischen Bild vom „Paradies“. Der Film beschreibt, wie Identitäten durch Mythenbildung entstehen und erzählt werden und wie ein antidemokratisches und neokoloniales Ausstiegsprojekt geschaffen wird, bis zu seinem unvermeidlichen Scheitern.

Über Mythologie

Die Gegend um Caazapá ist reich an Geschichten über Geister, Erscheinungen und das Unheimliche. Manche dieser Erzählungen sind fest im Alltag verankert. Caazapá gilt in Paraguay als Stadt der Magie und Legenden. In der nahe gelegenen Siedlung „El Paraíso Verde“ wiederum kursieren Verschwörungserzählungen und vermeintliches Geheimwissen unterschiedlichster Herkunft.

An beiden Orten prägen Vorstellungen vom Unsichtbaren den Blick auf die Wirklichkeit. Die Mythen der Guaraní und moderne Verschwörungsideologien sind dabei weder inhaltlich noch historisch gleichzusetzen. Doch Erzählungen können in sehr unterschiedlichen Gemeinschaften Zugehörigkeit stiften: Sie erklären, wer „wir“ sind, wie wir die Welt verstehen und wo wir Grenzen zu „den anderen“ ziehen.

Notiz des paraguayischen Beraters

Paraguay lag lange abseits der internationalen Aufmerksamkeit. Über Jahrhunderte wurde das Land vor allem mit Mate und den Hölzern seiner Wälder verbunden. Bis heute birgt es einen weitgehend unerschlossenen Reichtum an Geschichten. Im Herzen Südamerikas treffen indigene Kulturen und westliche Einflüsse aufeinander und haben sich über Generationen gegenseitig verändert. Seit der Unabhängigkeit 1811 ist die Geschichte Paraguays von Kriegen, Diktaturen, politischen Umbrüchen und einem langwierigen demokratischen Übergang geprägt.

Der Film geht auch einer historischen Wiederkehr nach: Seit dem 19. Jahrhundert übt Paraguay auf bestimmte Gruppen europäischer Siedler eine besondere Anziehungskraft aus. Ihre Motive und Ziele unterschieden sich, doch sie teilten die Vorstellung, an diesem abgelegenen Ort etwas finden oder verwirklichen zu können, das ihnen anderswo verwehrt blieb. Warum zog es sie ausgerechnet hierher, statt in stärker europäisch geprägte Städte mit vermeintlich besseren Aussichten? Welche geografischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen machten Paraguay zum Schauplatz ihrer Entwürfe?

Indem der Film eine gegenwärtige Form der Migration und ihre sozialen, wirtschaftlichen und globalen Folgen beobachtet, richtet er den Blick zugleich zurück. Er fragt, welche historischen Erfahrungen, Erzählungen und Erinnerungen bis heute fortwirken und wie sie unsere Gegenwart mitgestalten.

Sebastián Peña Escobar, Produzent in Asunción, Paraguay

Regiestatement

Den politischen Gegner filmen

Wer Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler fragt, wie sich mit Menschen umgehen lässt, die an Verschwörungserzählungen glauben, hört häufig einen ähnlichen Rat: Gesprächsbrücken offenhalten, zwischen Menschen und ihren Überzeugungen unterscheiden. Entscheidend ist dabei Ambiguitätstoleranz, die Fähigkeit, Widersprüche und Unsicherheit auszuhalten, die Komplexität politischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge anzuerkennen und die eigenen Annahmen infrage zu stellen.

Ich kenne viele Menschen, deren Beziehungen zu Angehörigen oder Freunden in den vergangenen Jahren zerbrochen sind. Politische Radikalisierung, abgeschlossene Weltbilder und die Unfähigkeit, Widerspruch zuzulassen, haben tiefe Gräben hinterlassen. Gespräche über diese Grenzen hinweg sind anstrengend, manchmal kaum auszuhalten. Während der Pandemie drang das Misstrauen gegenüber Staat und Institutionen aus digitalen Foren und gesellschaftlichen Randbereichen weit in die Öffentlichkeit vor.

Große Krisen, persönliche Erschütterungen und das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, können Menschen empfänglich machen für einfache Antworten auf komplizierte Fragen. Die Wortführer des Misstrauens nutzen diese Verunsicherung. Sie verstärken Ängste, versprechen schnelle Lösungen und nähren Fantasien eines radikalen Neuanfangs. Menschen finden sich zusammen, um andere Formen des Zusammenlebens zu entwerfen. Manche Wege führen in den Untergrund oder in bewaffnete Konflikte, andere nach Paraguay.

IM UMKREIS DES PARADIESES beobachtet Menschen, die ihre digitalen Gemeinschaften verlassen haben, um ihre Vorstellungen in Südamerika Wirklichkeit werden zu lassen. Der Film zeigt den Alltag in der Siedlung und die Abhängigkeiten, die ihn bestimmen: Energiespiralen und Kraftpyramiden, Einsamkeit und Heimweh, finanzielle Sorgen und rücksichtslose Geschäftsmodelle. Auf den Terrassen sitzen Kröten und Kreuzspinnen; feuchte Hitze und die zähe Langsamkeit der Tage lassen die Zukunft ungewiss erscheinen.

Es ist auch eine Geschichte über Kinder und junge Menschen, die in diesem Umfeld aufwachsen und es zunächst als selbstverständlich erleben. Und über Erwachsene, die anderswo gescheitert sind, sich neu erfinden möchten und zugleich an Weltbildern festhalten, die kaum Widerspruch zulassen.

Die Menschen in der Siedlung stehen für gesellschaftliche Strömungen, die weit über Paraguay hinausreichen. Sich von ihnen abzuwenden und sie ihren geschlossenen Kreisen zu überlassen, wäre ein Fehler. Deshalb richtet der Film seinen Blick nicht nur auf einzelne Überzeugungen, sondern auf die Strukturen, in denen Menschen handeln. Der Filmtheoretiker Jean-Louis Comolli beschreibt in seinem Essay „Filmer l’ennemi“ (1999) die Möglichkeit des Kinos, dem politischen Gegner ein menschliches Gesicht zu geben, und darin auch etwas von uns selbst zu erkennen.

Yulia Lokshina

Das Team

Team

Yulia Lokshina

Buch und Regie

Yulia Lokshina studierte Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Ihr Studienfilm TAGE DER JUGEND (2016) begleitet den Alltag in einem militärpatriotischen Jugendcamp auf der russischen Insel Sachalin und untersucht das Verhältnis von Patriotismus und Erziehung. Der Film feierte 2016 auf der Duisburger Filmwoche Premiere und wurde 2017 mit dem Starter Filmpreis der Stadt München ausgezeichnet. AFTER WAR (2017) widmet sich den Spätfolgen des Vietnamkriegs und porträtiert ehemalige US Marines, die heute an den Orten ihrer früheren Einsätze leben.

Für die experimentelle Videoarbeit SUBJECTIVE HILL, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Affektstudien der Universität Genf, erhielt sie gemeinsam mit der Künstlerin Angela Stiegler 2018 das Medienkunststipendium der Kirch Stiftung und 2019 den Videodox Förderpreis.

In ihrem Abschlussfilm REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT (2020) untersucht Lokshina Werkvertragsarbeit und Arbeitsmigration aus Osteuropa nach Deutschland. Der Film fragt nach gesellschaftlicher Teilhabe und Klassenbewusstsein, wurde auf zahlreichen Festivals gezeigt und vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Max-Ophüls-Preis für den besten Dokumentarfilm 2020, dem Preis der deutschen Filmkritik, dem Megaherz Student Award des DOK.fest München und dem Healthy Workplaces Award bei Doclisboa. Bis heute wird er in Schulen und in der politischen Bildungsarbeit eingesetzt.

2020 waren ihre Filme und Videoarbeiten in der Einzelausstellung „Risikogruppen“ im städtischen Kunstraum AKT in Pforzheim sowie in Gruppenausstellungen zu sehen. 2022 widmete ihr das Festival Doc Buenos Aires eine Werkschau. Lokshina verfolgt eine künstlerisch wissenschaftliche Promotion am Artistic Research Center der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und war Stipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung.

Ihr essayistischer Dokumentarfilm ACTIVE VOCABULARY feierte 2025 auf dem DOK Leipzig Premiere und gewann die Goldene Taube für den besten deutschen Langfilm. Er untersucht, wie der Krieg gegen die Ukraine an russischen Schulen sprachlich vermittelt wird. IM UMKREIS DES PARADIESES ist Lokshinas dritter Langfilm. Er wurde 2026 im Panorama der Berlinale uraufgeführt und für den Berlinale Dokumentarfilmpreis nominiert. Beim International Documentary Film Festival Thessaloniki erhielt er den Special Jury Prize im internationalen Wettbewerb sowie eine Special Mention beim Human Rights in Motion Award.

  • 2026IM UMKREIS DES PARADIESES · Kinodokumentarfilm · 120 Min.
  • 2025ACTIVE VOCABULARY · Kinodokumentarfilm · 84 Min.
  • 2020REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT · Kinodokumentarfilm · 92 Min.
  • 2019SUBJECTIVE HILL · Experimenteller Dokumentarfilm · 30 Min.
  • 2017AFTER WAR · Dokumentarfilm · 29 Min.
  • 2016TAGE DER JUGEND · Dokumentarfilm

Trimafilm

Produktion

Trimafilm wurde 2012 während des Studiums gegründet. Seit 2017 führen Trini Götze und David Armati Lechner das Unternehmen als geschäftsführende Gesellschafter; seit 2020 gehört Isabelle Bertolone als Produzentin zum Team. Trimafilm entwickelt und realisiert Filme, die herausfordern und unterhalten: Geschichten mit Haltung und unverwechselbaren künstlerischen Handschriften. Entscheidend ist dabei nicht das Format, sondern die Frage, welche Erzählweise einem Stoff gerecht wird.

Die Kinodebüts ALLES IST GUT von Eva Trobisch und MEIN ENDE. DEIN ANFANG. von Mariko Minoguchi wurden national und international vielfach ausgezeichnet. 2018 erhielt Trimafilm den VGF Nachwuchsproduzentenpreis. Die ersten beiden Staffeln der Serie FETT UND FETT waren für den Grimme Preis nominiert; 2023 wurden Chiara Grabmayr und Jakob Schreier für ihre Arbeit mit dem Blauen Panther ausgezeichnet.

Der in Koproduktion mit Babylon’13 entstandene Dokumentarfilm IRON BUTTERFLIES feierte 2023 auf dem Sundance Film Festival und der Berlinale Premiere. PLASTIC FANTASTIC von Isa Willinger wurde beim CPH:DOX uraufgeführt, kam 2024 im Verleih von Mindjazz Pictures in die deutschen Kinos und gewann den Publikumspreis beim Deutschen Dokumentarfilmpreis. Eva Trobischs IVO feierte 2024 auf der Berlinale Premiere und startete im selben Jahr im Kino. Die Serie 30 TAGE LUST wurde beim Series Mania gezeigt, gewann den Publikumspreis des Seriencamps und erreichte in der ARD Mediathek mehr als zehn Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer.

Auf der 76. Berlinale feierten ETWAS GANZ BESONDERES im Wettbewerb und IM UMKREIS DES PARADIESES im Panorama Premiere. Derzeit entwickelt und produziert Trimafilm weitere Spielfilme, Dokumentarfilme und Serien, unter anderem mit Yulia Lokshina, Mariko Minoguchi, Eva Trobisch, Moritz Binder, Berthold Wahjudi, Fabian Stumm, Pia Hellenthal, Tia Morgen und Zara Zandieh.

  • 2026ETWAS GANZ BESONDERES · Kinofilm · Regie Eva Trobisch
  • 2026IM UMKREIS DES PARADIESES · Kinodokumentarfilm · Regie Yulia Lokshina
  • 202430 TAGE LUST · Serie · 8 × 30 Min. · Regie Bartosz Grudziecki, Pia Hellenthal
  • 2024JENSEITS VON SCHULD · Kinodokumentarfilm · Regie Katharina Köster, Katrin Nemec
  • 2024IVO · Kinofilm · Regie Eva Trobisch
  • 2023PLASTIC FANTASTIC · Kinodokumentarfilm · Regie Isa Willinger
  • 2023IRON BUTTERFLIES · Kinodokumentarfilm · Regie Roman Liubyi
  • 2022 und 2019FETT UND FETT · Serie · 2 × 6 × 22 Min. · Regie Chiara Grabmayr
  • 2019MEIN ENDE. DEIN ANFANG. · Kinofilm · Regie Mariko Minoguchi
  • 2018ALLES IST GUT · Kinofilm · Regie Eva Trobisch
Stab

Credits

Buch und RegieYulia Lokshina
KameraZeno Legner
MontageUrte Alfs
Ton und SounddesignAlejandro Weyler
MischungAron Frankenberger
FarbkorrekturNicholas Coleman
AnimationFranziska Unger
TiteldesignSteffen Goldkamp
PlakatAnna Grath
Dramaturgische BeratungCarlos Luppi
Beratung ParaguaySebastián Peña Escobar
Redaktion ZDFJakob Zimmermann
ProduktionIsabelle Bertolone, David Armati Lechner, Trini Götze
ProduktionsfirmaTrimafilm, in Koproduktion mit ZDF, Das kleine Fernsehspiel
FörderungFilmFernsehFonds Bayern, Deutscher Filmförderfonds, Hessen Film & Medien
VerleihAcross Nations
WeltvertriebFilmotor, Prag
Festivals und Preise

Festivals

  • Berlinale 2026PanoramaNominiert für den Berlinale Dokumentarfilmpreis
  • Thessaloniki 2026Special Jury Prize im internationalen WettbewerbSpecial Mention beim Human Rights in Motion Award des Europarats
  • DOK.fest München 2026Nominiert für den VFF Dokumentarfilm Produktionspreis
  • DokKa Karlsruhe 2026Eröffnungsfilm
  • Krakau International Film Festival 2026Internationaler Wettbewerb
  • Bolzano Film Festival 2026RealeNonReale
  • BELDOCS 2026
  • KINO 2025Goethe-Institut Istanbul
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Bilder

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AnschriftHeithecker & Singer GbR, Platenstr. 42, 50825 Köln-Ehrenfeld
VerleihAcross Nations, Talstr. 41, 70188 Stuttgart
WeltvertriebFilmotor, Kaprova 42/14, 110 00 Prag